Schlagwort: Trauma

  • Ein Trauma und seine langfristigen Auswirkungen

    Wenn ein Ereignis alles verändert, hat das Auswirkungen auf den Körper, die Seele und das Leben. Ich habe solche ein Ereignis im Januar 2021 erlebt und habe lange darunter gelitten. Wenn man vorher nie was hatte und dann plötzlich – von jetzt auf gleich – das Herz aus dem Takt gerät, kann das schon sehr beängstigend sein. Ich habe lange gebraucht, um das erlebte zu verarbeiten.

    Es war damals eine gutartige Tachykardie – ausgelöst durch meine erste Corona-Infektion. Der seelische Schaden war groß und hinterließ ein Trauma welches Ängste, Panikattacken, Herzrasen und schlaflose Nächte auslöste. Gleichzeitig verlor ich das Vertrauen in meinen Körper, das Vertrauen in mein Herz und hörte ständig in mich hinein – fixierte mich total auf den Herzschlag. Ich kontrollierte ständig meine Herzfrequenz, bis ich es nicht mehr konnte, weil die Angst mich davon abhielt.

    Dieses traumatische Erlebnis liegt jetzt fast 5 Jahre hinter mir. Inzwischen ist es soweit gut verarbeitet, aber der Weg dahin war schwer. Ich habe lange gebraucht, die Bilder und das erlebte zu verarbeiten. Bei mir wurde 2x ein Herzstillstand ausgelöst, um das Herz zu Resetten. Und bis heute habe ich nicht vergessen, wie sich diese Momente angefühlt haben und wie mein Körper darauf reagierte. Ich habe nicht vergessen, wie sich der Herzschlag mit 190 angehört hat. Ich habe auch nicht den angsterfüllten Blick meiner Frau vergessen. Für Sie war dieser Anblick genauso schlimm und traumatisch. Ich kann mich auch noch genau an das Gefühl und die Gedanken erinnern, als ich im Krankenwagen lag und es ins Krankenhaus ging. Dieses Ereignis veränderte mein Leben. Diese Ereignis hat mich traumatisiert.

    Der Tag war fortan gefüllt von Ängsten. Sobald es Nacht wurde, stieg die Angst immer mehr an. Ich hatte Angst einzuschlafen und Angst nachts wach zu werden. Die Uhrzeit, zu der die Tachykardie losging, ist fest im Kopf verankert und hat mich lange beeinträchtigt. Jede Nacht hatte ich Angst, dass es wieder passiert. Neben mir dürfte keiner mehr liegen. Jede Erschütterung, jede auch nur noch so kleinste Bewegung löste Angst und Panik aus. Mein Herz reagierte sofort mit Herzrasen.

    Danach schlichen sich nach und nach Panikattacken ein und bestimmten mein Leben. Mir war lange nicht bewusst, dass Ich Panikattacken habe. Ich bekam sie auf Arbeit, in der Bahn – einfach überall. Während einer Panikattacke war zum Glück immer jemand an meiner Seite oder ist dann tagsüber zu mir gekommen. Ich war damit nie alleine. Meine Tochter (damals 13J.) bewahrte währende meiner Panikattacke und Herzrasen immer die Ruhe und beruhigte mich. Sie war so toll und in dieser Situation weitaus stärker als ich. Meine Psychologin gab mir Tipps und trotzdem war mir nicht bewusst das es Panikattacken sind. Dabei fiel dieses Wort so oft, aber ich wollte es nicht hören, sehen oder wahrhaben. Diese Einsicht kam erst viel später. Sogar der Rettungsdienst musste öfters kommen. Aber auch nur bis zu dem Tag, an dem mein letzter Rettungswagen-Einsatz und Krankenhausaufenthalt mir einen Termin für eine Ablation bescherte. Und dann ging auch alles ganz schnell.

    Die Ängste, die Panikattacken und das verlorene Vertrauen in Körper und Herz sind nach der Ablation weiterhin geblieben. Aber es wurde nach und nach etwas besser. Ich habe aber nie so richtig über dieses Thema gesprochen, weil ich es verdrängen und vergessen wollte. Ein Schutzmechanismus, der sich automatisch eingestellt hat. Erst in meiner ersten Post COVID Reha 2023 ging ich dieses Problem an und stellte mich meinen Herzängsten und allem was dazu gehört. Es war ein schwerer und langer Prozess, aber ich musste da nicht alleine durch.

    Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich mich dem gestellt habe. Meine Herzängste haben sich größtenteils gelegt – das was noch ist, damit kann ich leben. Ich habe gelernt zu reagieren und zu handeln, bevor Ängste oder Panikattacken entstehen. Heute sind meine Panikattacken komplett weg und es fällt mir leichter bei einer hohen Herzfrequenz, bei Herzstolpern oder Herzrasen die Ruhe zu bewahren.

    Mein traumatisches Erlebnis hat mich verändert und die Zeit heilt nach und nach die Wunden. Wahrscheinlich wird es nie ganz aus meinem Hinterkopf verschwinden – aber ich habe mit der Zeit gelernt, mich davon nicht mehr beeinflussen zu lassen. Jetzt bestimmt die Symptomatik von Post COVID und ME/CFS mein Leben, was auch nicht besser ist. Dabei ist mein erlernter Umgang mit Herzrasen, Herzstolpern oder einer hohen Herzfrequenz im Alltag sehr hilfreich. Denn diese Problematik hat sich infolge der 3. Corona-Infektion und des danach eingetretenen gesundheitlichen Zustands im Alltäglichen erneut deutlich verstärkt.

    Eure Yvi

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