Die Zeit vergeht, und in all der Zeit wünsche ich mir nichts mehr als mein Leben zurück.
In den letzen Monaten gab es ein ständiges hin und her zwischen „Kämpfen und Aufgeben“. Ein ständiges hin und her zwischen „Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr“ und „Du musst durchhalten und du musst kämpfen“. Dieses hin und her ist so Mega anstrengend.
Es wäre nicht so anstrengend, wenn man nicht ständig gegen die Behörden kämpfen müsste. Wenn man nicht ständig um alles, was einem zusteht oder man als Hilfsmittel benötigt, kämpfen müsste. Ohne diese bescheuerten kämpfe, wäre es viel einfacher. Aber nein, man ist gezwungen, als kranker Mensch in einem schlechten Zustand, diese Kämpfe zu führen. Und falls es irgendjemand von den Behörden oder Gutachtern mal interessiert: Diese Kämpfe tuen uns nicht gut und sind auch nicht hilfreich in unserem Zustand. Ganz im Gegenteil, sie sind schlecht für unsere Gesundheit. Und genau das sind die Momente in denen ich nicht mehr kann und auch nicht mehr möchte. In diesen Momenten kommt sehr oft der Gedanke hoch, einfach aufzugeben. Nicht weil es mir so scheiße geht oder der Zustand Scheiße ist – was er ja wirklich ist – nein, weil ich in diesem Zustand keine Kraft habe, ständig um alle Rechte, Hilfsmittel und so weiter zu kämpfen. Weil ich keine Kraft mehr habe, mich in meinem Zustand, auch noch dafür zu rechtfertigen. Wenn ich sehe wie das bei anderen Krankheiten läuft oder gehandhabt wird, fühle ich mich mit Post COVID und ME/CFS da doch sehr unfair und ungerecht behandelt.
Und doch kämpft man weiter. Nicht um sein Rechte, Hilfsmittel oder so zu bekommen, sondern um sein eigenes Leben und die Teilhabe am Leben wiederzubekommen. Und bei diesem Kampf kommt die Familie ins Spiel. Sie ist der Anker in all der schweren Zeit. Nur durch die Familie und die Menschen die für einen da sind und helfen, wird aus einem „Ich kann nicht mehr“ ein „du musst durchhalten und du musst kämpfen“.
Und trotzdem stößt man dabei an seine Grenzen und kann irgendwann nicht mehr. Man gibt auf und entscheidet sich für einen Schritt, der nicht sein müsste. Aber wenn man keine Unterstützung bekommt oder ständig kämpfen muss, ist man irgendwann an dem Punkt wo es nicht mehr erträglich ist….wo man sich von Behörden, Ämtern, Ärzten im Stich gelassen fühlt und keinen Ausweg mehr sieht. Wo das Licht schwindet und man in der Dunkelheit alleine gelassen wird. Bis das Licht erlischt.
Doch diesen Zustand sehen und bekommen nur Angehörige, Freunde und Menschen mit, die es hautnah miterleben. Menschen, die jemanden haben der an Post COVID und ME/CFS leidet, die können nicht einfach wegschauen oder die Symptomatik ausblenden. Nein, sie müssen auch damit Leben und zu sehen, wie sehr dieser Mensch leidet und wie schwer dieser Kampf ist. Sie müssen ebenfalls stark sein und zeigen ihren Schmerz nicht, damit sie uns damit nicht belasten. Aber diese Situation ist nun mal belastend und lässt sich nicht schön reden. Ganz im Gegenteil, sie verlangt sehr viel von den Angehörigen ab. Und selbst diese Menschen, diese Angehörigen werden im Stich gelassen. Ist das der „Dank“ für ihre Pflege und Unterstützung?????
Ich frage mich ganz oft, wo ist da noch die Gerechtigkeit und spielt das „Wohl des Menschen’s“ heute überhaupt noch eine Rolle?
Danke an all die Menschen, die für mich/uns – mit Post COVID und ME/CFS – kämpfen, sich für mich/uns einsetzen und laut sind. Ohne eure Stimme wären wir nichts und würden in der Dunkelheit in Vergessenheit geraten.
DANKE DANKE DANKE
Eure Yvi
