„Was wäre, wenn….?“ Diese Frage hat sich bestimmt jeder schon einmal gestellt. Der eine vielleicht in Sachen „Liebe“, eine anderer vielleicht in Bezug auf den „Job“ und jemand anderes vielleicht zum Thema „Leben“ oder „Krankheit“. Theoretisch passt die Frage „Was wäre, wenn….?“ in allen Lebenslagen.
Ich habe mich in den letzen 2 -3 Jahren ganz oft gefragt: „Was wäre, wenn ich nicht an Post COVID, ME/CFS erkrankt wäre?“ oder „Was wäre, wenn sich mein Leben nicht so gravierend verändert hätte?“. „Wie würde mein Leben dann wohl heute aussehen?“ – diese Frage stelle ich mir sehr oft. Aber darauf werde ich keine Antwort bekommen. Auch nicht auf die Frage „Werde ich jemals mein altes Leben wiederbekommen?“. – Wenn die Jahre vergehen und der Zustand sich nicht ändert, verliert man irgendwann den Glauben und die Hoffnung daran. Innerlich hofft man, aber dieser Gedanke wird mit Angst zerstört. Angst, dass dieses Leben jetzt so bleibt.
„Jeder Tag ist ein neuer Anfang – auch wenn er aussieht wie der gestrige.“
Autor unbekannt
Die Frage nach dem „Was wäre, wenn…?“ Versuche ich inzwischen aus meinem Leben rauszuhalten, weil diese Frage mich auf Dauer nur runterzieht. Stattdessen habe ich die Lebenssituation so angenommen wie es ist und versuche jeden Tag das Beste daraus zu machen. Eine andere Wahl habe ich auch gar nicht. Ich kämpfe jeden Tag für meine Kinder und meine Familie, weil ich meine Kinder aufwachsen sehen möchte. Und trotzdem erwische ich mich hin und wieder bei dem Gedanken „Was wäre, wenn ich morgen früh aufwache und wieder ganz Gesund bin?“ Eigentlich ein sehr schöner Gedanke und doch überfordert mich dieser Gedanke. Ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung was ich machen würde. Ich hab so viele Wünsche und Träume – wahrscheinlich würde ich alles auf einmal machen, um zu schauen ob ich Träume oder nicht.
So Scheiße wie das jetzt auch alles ist, haben mir die Erkrankung und die Veränderung meiner Lebensumstände etwas gelehrt – auch wenn ich dafür gerne auf diesen gesundheitlichen Zustand verzichtet hätte. Aber „Was wäre, wenn die Krankheit nie Teil meines Lebens gewesen wäre?“ , dann würde ich das Leben als Selbstverständlich hinnehmen – dabei ist gerade das „nicht“ Selbstverständlich. Ich hätte auch nicht die schmerzliche Erfahrung gemacht, wie kostbar und kurz dieses Leben doch ist. Und wie kostbar die Menschen sind, die in dieser Situation bleiben und dich nicht verlassen. Jetzt weiß ich auch, dass es falsch war vieles „auf später“ zu verschieben und meinen Träumen nicht zu folgen. Klar hat man da den einen oder anderen Spruch immer im Hinterkopf. Aber als „gesunder“ Mensch habe ich dem keinerlei Beachtung geschenkt. Das kommt erst, wenn man krank ist und sich das Leben von heute auf morgen plötzlich ändert. Dann ändert sich auch die Sichtweise zum Leben und zu bestimmten „Sprüchen“ oder „Zitaten“.
Die Erkrankung und die neuen Lebensumstände haben mich gelehrt, das Leben viel bewusster wahrzunehmen. So versuche ich aus jedem Tag was positives mitzunehmen und nicht nur das schlechte zu sehen. Ich schätze die kleinen Dinge im Leben und freu mich über Kleinigkeiten. Ich bin für vieles viel dankbarer geworden – dankbar für die kleine Schritte und dankbar, wenn der Crash danach nicht so schlimm ist. Ich bin dankbar, dass ich jeden Morgen aufwachen darf und dankbar, Zeit mit meiner Familie zu haben. Auch wenn diese bescheuerte Krankheit mir nicht viel Zeit mit meiner Familie und dem Leben lässt, so ist jeder Tag mit ihnen ein Geschenk. Ich Lebe jeden Tag so, als wäre es mein letzter. Okay, ich selbst lebe nicht wirklich…ich existiere zum jetzigen Zeitpunkt nur.
Aber ich sorge dafür, dass meine Familie lebt und sich ihre Träume erfüllt. Und das sie sich immer vor Augen halten, wie kurz das Leben doch ist und das nichts selbstverständlich ist. Von heute auf morgen kann sich plötzlich alles ändern und dann bereut man es, immer alles auf später verschoben zu haben. Man bereut, das Leben nicht bewusst gelebt zu haben.
„Dankbarkeit wächst oft aus den dunkelsten Momenten, wenn man erkennt, was bleibt.“
Autor unbekannt
Eure Yvi
