Die letzten Jahre haben mich gelehrt, wünsche nicht mehr aufzuschieben sondern sie möglich zu machen. Natürlich nur, wenn es auch wirklich geht. Und dabei nehme ich dann auch den Crash danach in Kauf. Seit ich erkrankt bin, musste ich immer verzichten. All die schönen Dinge waren plötzlich nicht mehr möglich. Am Anfang verzichtete ich noch gutgläubig, weil ich dachte das es irgendwann wieder gehen wird. Doch nach den Jahren, wo der Zustand schlechter statt besser geworden ist, will ich nicht mehr verzichten. Und da das jetzt schon so lange geht und keiner weiß wie es weitergeht oder was noch kommt, habe ich beschlossen mir hin und wieder einfach einen Wunsch zu erfüllen. Auch für die Familie, damit wir gemeinsam Erinnerungen schaffen können. Für mich sind diese schönen Momente, auch wenn sie körperlich schwer sind, Lichtblicke in dieser dunklen Zeit.
Seit 3. Jahren war ich nicht mehr gemeinsam mit meiner Familie auf dem Weihnachtsmarkt. Und selbst Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage haben sich in den letzten Jahren verändert. Daher wollte ich jetzt unbedingt eine Erinnerung schaffen und das kam auch wirklich sehr spontan. Meine Wunsch war der Wunsch eines gesunden Menschens. Nachdem ich ihn mit Nette besprochen hatte und es für sie okay war, sofern der Körper mitspielt, kamen mir auch schon wieder Zweifel an dem Wunsch.
Ich hatte Angst, weil ich nicht wusste was uns erwartet. In meinem Kopf hat es sich so leicht angefühlt, aber in der Realität muss auf so vieles geachtet werden. Immerhin sind wir ja mit Rollstuhl unterwegs und da geht die Problematik schon los. Ist der Weihnachtsmarkt barrierefrei? Wird es voll sein? Kommt man da ohne Stress und problemlos mit Rollstuhl durch? Wo parken wir, damit nicht gleich der Weg zum Weihnachtsmarkt mich überfordert? Oder wie soll ich den ganzen Lichtern und dem geblinke aus dem Wege gehen? Fragen über Fragen, wo einem schon die Lust wieder vergehen kann und ich am liebsten meinen Wunsch über Board geworfen hätte. Für mich war schon das nachdenken über all die Fragen zu kompliziert. Das versetzt mich in Stress und hält mich dann wiederum davon ab.
Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mit meinen Kinder einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Dieses feeling von Weihnachtsstimmung wieder zu erleben. Das leuchten in den Augen der Kinder. Ihren Spaß auf den Fahrgeschäften, den Duft von Glühwein und Bratwurst oder Creps von den Ständen….all das fehlt mir zur Weihnachtszeit. Und daher haben wir es einfach getan. Wir haben die Kinder überrascht und sind zum Weihnachtsmarkt gefahren. Im Auto haben wir ihnen gesagt, dass wir mir jetzt einen Wunsch erfüllen, den ich mir so sehr mit meiner Familie wünsche.
Wir sind am frühen Nachmittag zum Weihnachtsmarkt, damit die Lichter mich nicht gleich in Stress versetzen. Als wir den Weihnachtsmarkt betreten hatten überkamen mich meine Emotionen. Mir standen Tränen in den Augen und ich war so unendlich glücklich hier mit meiner Familie zu sein. Wie ein kleines Kind, was zum ersten Mal auf den Weihnachtsmarkt ist, so fühlte ich mich. Es war ein unbeschreiblicher Moment mit ganz viel Dankbarkeit. Meine Kinder sind mit ein paar Fahrgeschäften gefahren und ich stand etwas weiter weg. Irgendwann stand ich total abseits und konnte sie auch nicht mehr beobachten, weil es dunkler wurde und ich das geblinke und die Lichter nicht mehr ertragen habe. Ich wusste nicht mehr wo ich hinschauen sollte und hab mich teilweise in Nette ihrer Jacke versteckt oder mich in eine dunkle Ecke schieben lassen. Das war der Moment, wo wir dann auch abgebrochen haben. Aber zum Glück konnten meine Kinder bis dahin mit ein paar Fahrgeschäften fahren. Ihr strahlen und leuchten in den Augen war es mir wert. Ich wollte das sie Spaß haben und wir als Familie zusammen sind. Das wir eine Erinnerung schaffen.
Der Weihnachtsmarkt an sich war wirklich nicht überfüllt, was es für uns einfacher machte. Das kam erst alles später, wo wir dann auch schon wieder gegangen sind. Ich habe mich natürlich im Vorfeld angemessen ausgerüstet.
Meine Hilfsmittel: Für die Lautstärke 2 paar Kopfhörer (InEar und normale Kopfhörer). Aber ich muss sagen, es war trotzdem laut. Das Geschrei aus den Fahrgeschäften lies sich von den 2 paar Kopfhörern nicht abwenden. Und meine Sonnenbrille, welche am Anfang noch gut geholfen hatte, aber um so dunkler es wurde nicht mehr ausreichend war. Ich hatte dann teilweise die Augen geschlossen oder versucht ganz weit nach unten zu schauen und mich unter meiner Kapuze zu verstecken. Von daher haben wir alles richtig gemacht, dass wir im Hellen auf den Weihnachtsmarkt sind.
Ich bin so dankbar für diesen Moment mit meiner Familie und das wir es gemeinsam erleben dürften. Selbst wenn es nur für 30min oder 1Std ist. Das sind die Momente, die einem in der dunklen Zeit den Weg erhellen und nicht aufgeben lassen.

Eure Yvi

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